JAS am 20.09.2020 in Blieskastel 20. September, 0 4:30 Uhr: der Wecker klingelt, die Hunde drehen sich noch mal um und schlafen weiter. Nur die kleine Hazel (Young Spirit I am Hazel) begrüßt uns, wie jeden Morgen mit fröhlichem Labradorschlabbern durchs Gesicht. Noch ahnte sie nicht, was für ein großartiges Abenteuer sie an diesem Tag erwartet. Die Straßen waren frei, wir waren frühzeitig am Treffpunkt in Blieskastel im schönen Saarland und konnten noch einen kleinen Spaziergang machen, bevor die anderen Teilnehmer, die Sonderleiter und unser Richterteam eintrafen. Es war schön ein paar bekannte Gesichter zu sehen und neue Retrievermenschen mit ihren Hunden kennenzulernen. Nach der Begrüßung durch die Sonderleiter Frank Serwe und Katrin Gödtel, Prüfungsleiter Hermann Marz und die Richter Michael Hahn und Britta Näpel, gab es einige Erklärungen zum Ablauf der Prüfung. Dann wurden Impfpässe, Chips und Zähne kontrolliert. Wir starteten mit der großen Suche. Ein Stück Haar- und ein Stück Federwild sollten im Wald gesucht werden. Da unter anderem die Geländehärte überprüft werden soll, lagen die Stücke im Bewuchs und die Hunde mussten sich anstrengen, um die Stücke aus dem Bewuchs zu holen. Für uns Hundeführer waren die Hunde dabei teilweise außer Sicht, die Richter hatten sich so positioniert, dass immer ein Richter den Hund arbeiten sehen konnte. Beim anschließenden offenen Richten erklärten die Richter für jeden Hund ausführlich, was sie beobachtet haben und wie sie das Verhalten einschätzen. Danach ging es zur Schleppenarbeit. Der Boden war sehr trocken, das Gelände abwechslungsreich. Wiesen, abgeerntete Maisfelder, Stoppelfelder, Brennnesseln und Unterholz. Auch hier waren die Richter so positioniert, dass der Hund immer unter Beobachtung war. Neu ist im Vergleich zur JPR, dass der Hund nicht mehr am Anschuss angesetzt wird, er wird frei gegeben und soll selbstständig auf die Schleppe gehen. Es war eine Freude den jungen Hunden zuzuschauen und zu sehen, welche Problemlösungsstrategien sie ausprobierten. Besonders hat mir gefallen, wie die Richter immer darauf achteten, dass die Youngsters zum Erfolg gebracht wurden, wenn mal einen der Mut verließ und er es nicht ganz bis zum Stück geschafft hat. Diesen achtsamen Umgang mit den Hunden sah man auch bei der nächsten Aufgabe, einer Suche, bei der die Schussfestigkeit geprüft wurde. Während der Hund ein Stück vom Halter entfernt suchte wurde zunächst ein, und nach einiger Zeit ein zweiter Schuss abgegeben. Einer der Hunde zeigte sich beim ersten Schuss beeindruckt und suchte Schutz bei seiner Halterin. Die Aufgabe wurde abgebrochen, um den jungen Hund nicht zu traumatisieren. Danach wurde die Markierfähigkeit geprüft. Dazu wurde eine Ente in ein Rapsfeld mit knöchelhohem Bewuchs geworfen. Auch diese Aufgabe meisterten die drei verbliebenen Hunde prima und auch die anschließende Wasseraufgabe konnten sie bewältigen. Es war für alle ein aufregender und sehr interessanter Tag. Beim offenen Richten gibt jeder Richter seine Einschätzung ab. Das Richterteam diskutiert diese dann und kommt zu einer gemeinsamen Einschätzung. Angeschaut werden Arbeitseifer, Finderwille, Selbstständigkeit, Nasengebrauch, Arbeitsruhe, Führigkeit, Körperliche Härte, Spurwille, Wasserfreude, Konzentration, Einschätzen der Entfernung. Es wurde klar, was das Besondere und Neue an dieser Prüfung ist: Es geht nicht darum zu bewerten oder zu beurteilen, sondern darum die Arbeitsweise der einzelnen Hunde zu beschreiben. Die Informationen, die man als Hundeführer dadurch bekommt sind sowohl aus züchterischer Sicht als auch mit Blick auf die Ausbildung des jungen Hundes sehr viel differenzierter und hilfreicher als eine reine Bewertung. Ganz besonders gefreut habe ich mich über meine kleine Hazel, die sehr fokussiert, konzentriert, eifrig und mit großer Freude gearbeitet hat und dabei immer ansprechbar und kontrollierbar war. Und es gibt nichts Schöneres als einen Hund, der passioniert arbeitet und dann strahlend angeflitzt kommt, um stolz und fröhlich seine Beute zu bringen. Ganz herzlichen Dank an alle, die diesen unvergesslichen Tag ermöglicht haben: An die Sonderleiter für eine perfekt organisierte und nach Corona-Vorgaben durchgeführte Prüfung, an das sehr kompetente und immer pro Hund entscheidende Richterteam, an die Reviergeber und die netten Mitstreiter.

Tina Schnatz mit Young Spirit I am Hazel

Written by Michèle Waßmuth