4. Interner Workingtest der Bezirksgruppe Saar am 30.06.2018

Rückblick:

Ein Samstag Ende März / Anfang April. Bei sonnigem Wetter sitze ich, grade ein Jahr alt geworden, neben meinem Herrchen auf einer Wiese auf dem Gelände der Hundefreunde Höchen. Um mich rum sitzen mehrere Retriever neben ihren mehr oder weniger aufgeregten Frauchen und Herrchen und alle lauschen gebannt den Worten von dem komischen Kerl der vor uns allen steht und sich grade als unser künftiger Trainer outet. Larry sei sein Name, er sei schon eine gefühlte Ewigkeit im Dummysport aktiv und sei sowas wie der Rudelführer der Bezirksgruppe. Und dann stellt er DIE Frage: „Welche Ziele habt Ihr euch denn mit Euren Hunden gesetzt?“

„Also, ich will mal gucken, ob das für meinen Hund und mich  überhaupt was ist…“ sagt die eine, „Ich glaube, dass mein Hund diese Beschäftigung einfach braucht…“ kommt´s von der Nächsten und so oder so ähnlich sind auch die Antworten der restlichen Teilnehmer. Bis meiner an der Reihe ist…

„Naja, die Newcomer Trophy wär ganz lustig!“ haut der da am anderen Ende der Leine neben mir raus – ich dachte, ich hör´ nicht richtig.

Vor meinem geistigen Auge lief in der Folge ein Film der amateurhaften Versuche meines Herrchens ab, mir bei unseren privaten Trainingsversuchen beim Finden des Dummys helfend zur Seite zu stehen – „Na das kann ja was werden…“ Dachte ich so bei mir.

 

Zurück im Jetzt:

Es ist Samstag der 30.06.2018 und Herrchen ist schon ganz früh aufgestanden und mit mir und meiner Mitbewohnerin Baghira eine kleine Runde spazieren gegangen. Anschließend hat er sich dann in Richtung Höchen verabschiedet. Heute soll unser erster Working Test sein, veranstaltet von unserer Bezirksgruppe. Und in seinem Größenwahn hat Herrchen gleich mal die Schnupperklasse übersprungen und mich bei den Anfängern angemeldet: „Dass wir beide Spaß dran haben weiß ich ja, also warum nicht gleich in die Vollen gehen!?“, hat er verlauten lassen. Es geht doch nix über ein an Größenwahn grenzendes Selbstvertrauen…

Vormittags startet die `F´ und die `Schnupperer´, da ist er als Helfer am Start, nachmittags soll dann mein großer Auftritt sein.

Da der Wettergott sich aber überlegt hat, heute mal so richtig die Sonne Lachen zu lassen, so dass es 30° C und heißer werden soll, hat sich Herrchen schweren Herzens dazu entschieden, dass Frauchen mich nachbringt.

 

13:30 Uhr, jetzt ist es soweit. Mittlerweile wurde ich zum Ort des Geschehens gebracht, Herrchen hat mich angemeldet, die Gruppen sind eingeteilt und wir ziehen los in Richtung der Wartezone zur ersten Aufgabe. „Na hoffentlich reißt der sich heute mal zusammen!“, denk´ ich mir noch.

Nach einem kurzen Fußweg haben wir die Wartezone erreicht, gelegen an einem viel genutzten Ameisen – Highway. Kaum da, setzt Herrchen sich auf den Boden und ich springe zum Warten in seinen Schoß – er hatte die Idee, soll er sich doch von den Ameisen auffressen lassen…

Nachdem die Helfer der ersten Übung von Richter Andreas Koch eingewiesen sind geht’s auch schon los, gestartet wird mit je zwei Mensch – Hund – Teams. Wir sind dabei in der dritten Runde dran, gemeinsam mit einem Golden Retriever.

Bei den angenehmen und interessanten Gesprächen die Herrchen während der Wartezeit führt vergeht die Zeit für mich auf seinem Schoß wie im Flug und Ruckzuck sind wir an der Reihe.

„Rock´n´Roll!“, denk ich mir und in seine Richtung: „Jetzt reiß´ Dich nur zusammen!“.

 

Andreas stellt uns die erste Aufgabe vor:

 

Mein Compagnon und ich sitzen neben unseren Futtergebern. Vor uns, am anderen Ende einer kleinen Senke, steht eine Helferin, welche nach einem Schuss zunächst ein Dummy nach rechts und anschließend, nach einem zweiten Schuss, ein Dummy nach links wirft. Die Aufgabe besteht jetzt darin, dass nach Anweisung des Richters zunächst der linke Hund (in dem Fall ich) das rechte Dummy holt und anschließend der rechte Hund (der Kollege von der goldenen Fraktion) das linke. Das bedeutet für mich: sitzen bleiben, beide Dummies markieren und nachdem mein Mitbewohner mir das Kommando gegeben hat, wie von der Tarantel gestochen rausgehen und das Dummy schnell und heile reinholen. Soweit die Theorie…

Der erste Schuss fällt, das erste Dummy fliegt. Alles easy. Der zweite Schuss fällt, das zweite Dummy fliegt. Immer noch alles easy. Ich sitze da gespannt wie ein Flitzebogen, in der Hoffnung als erste raus zu dürfen und schon kommt von Herrchen das `Go!´ und ab geht die Luzi – leider nur drei Meter, weil der Kollege neben mir einspringt, sein Führer den Urschrei los lässt und ich total perplex stehenbleibe: „Wie jetzt? Ich? Soll ich doch nicht?“

Andreas erkennt das Drama, bleibt ganz locker und stellt uns alle nochmal auf Anfang.

Nächster Versuch. Auf Hinweis des Richters wird mein Kollege angeleint und ich starte zum nächsten Versuch. Herrchen zeigt mir wohin und ab geht die Fahrt – unglücklicherweise bin ich dann doch ein bisschen schnell und durch die Ansage von eben, die ja gar nicht an mich gerichtet war, doch ein wenig verunsichert, so dass ich zunächst an der Markierung vorbei laufe. Und die Pfeife an der Pfeife verpasst den Moment um mich auf die richtige Suchenörtlichkeit hinzuweisen – das geht ja schon gut los… Trotzdem finde ich das Teil dann auf mich allein gestellt, alles muss man selber machen, und bringe es in gestrecktem Galopp zurück.

Erster Teil der Aufgabe erfüllt, Check!

Anschließend ist der Kollege dran, auch er erledigt die Aufgabe toll und schon werden die Positionen gewechselt. Jetzt muss ich markieren und warten bis ich an der Reihe bin. Das macht mir aber gar nix, man muss auch mal anderen bei der Arbeit zugucken können… Als ich dann endlich das Zeichen zum loslegen kriege, geht´s dann nochmal ab, die Markierung hab ich mir diesmal gemerkt. Zweiter Teil der ersten Aufgabe: Check!

 

Dann geht’s weiter:

Wir sitzen beide nebeneinander, ca. 25m vor uns findet ein Treiben in einem Grün statt, zwei Dummies fliegen. Dann Rechtsdrehung, 20m neben uns, in einem leichten Hang fällt ein Schuss und ein weiteres Dummy fliegt. Das bedeutet, ich muss die Hummeln in meinem Hintern weiter im Zaum halten, erst auf Ansage sauber ins Grün gehen, ein Dummy holen ohne zu tauschen und dann dem Kollegen zugucken und die Daumen drücken, wenn er die Markierung rechts von uns holt. Anschließend läuft die ganze Nummer von vorn, die Aufgaben wechseln. Machen wir´s kurz, die Aufgabe rocken Goldie und ich beide, allerdings besteht laut Andreas bezüglich meiner Abgabe noch erheblich Verbesserungspotenzial – leichter gesagt als getan, von Mach 3 bremst man nicht mal grade eben so runter…

 

Trotzdem, erste Aufgabe komplett: Check!

 

Weiter geht´s zur nächsten Wartezone vor Aufgabe 2. Ich nutze die Zeit, mache mich da neben Herrchen lang und während er mit den anderen Mitstreitern Anekdötchen austauscht nutze ich die Zeit für ein kleines Nickerchen.

Mit den Worten: „Auf geht’s, Wettkampfmodus starten!“ weckt mich mein Alter und schon gehen wir in Richtung Larry. Unser Übungsleiter, der Endgegner, wartet…

 

Kurz erklärt er die Aufgabe:

Herrchen geht ca. 20m neben mir frei bei Fuß, in der Zeit findet links vor uns ein Treiben statt. Nach diesen 20m liegt rechts von uns eine Schneise im Wald vor der ich dann Absitzen soll. Da fällt ein Schuss und in ca. 40m Entfernung fliegt ein Dummy ins Grün.

Heißt für mich: Sitzenbleiben, markieren, Dummy auf dem schnellsten Weg holen. Easy – wenn nicht die Pfeife an der Pfeife wäre…

Da man den ja immer im Auge behalten muss verpasse ich fast die Markierung, so dass ich, nachdem ich dann los darf, ein bisschen die Richtung verliere. Aber dafür hab´ ich den anderen ja mitgenommen. Leider verpasst er mehrfach die Möglichkeit einzugreifen und mir mit dem Suchenpfiff wenigstens ein wenig Hilfe angedeihen zu lassen. Nachdem ich minutenlang erfolglos in der falschen Ecke gesucht habe, mache ich mich auf den Weg zurück zu Herrchen, als jemand in seinem Hintergrund säuselt: „Weis sie ein!“. Und dann macht er den Kardinalfehler und ruft mich zu sich zurück um mich „Voran!“ zu schicken, unwissend dass man das absolut nicht darf. Da war sie dann, unsere „0“. Toll. Soviel zum Thema Newcomer Trophy. Einmal mit Profis zusammenarbeiten…

Naja, er schickt mich trotzdem, aber gefunden hab` ich das Dummy dann erst nachdem Larry den Teil abbricht und ich zurückgepfiffen werde. Quasi im Vorbeigehen.

Abhaken, weiter geht´s.

 

Frei bei Fuß dackelt Herrchen wieder neben mir und wir gehen die 10m weiter zum Grün. Ich soll da jetzt zwei Dummies suchen und rausholen und der Larry erzählt irgendwas von einer ominösen Überraschung.

Gesagt, getan, Herrchen schickt mich und Ruckzuck finde ich den ersten Jutebeutel und mache mich auf den Weg zurück. Dass dabei ein Schuss fällt und eine Verleitung in die Gegenrichtung fliegt, nehme ich gar nicht richtig war. Dummy abgegeben, auf geht’s zum zweiten Dummy. Das ist zwar in den Dornen versteckt, die werden es aber auch nicht retten. Schnell habe ich auch dieses Dummy und bringe es zu meinem Leinenhalter.

Dann soll ich die Markierung holen. Welche Markierung? Ich erinnere mich dunkel an einen Schuss im Verlauf der Übung… Aber diesmal hat Herrchen aufgepasst und mitgekriegt, dass ich grade keinen Plan habe. Deshalb weist er mich zu dem Dummy ein und schon habe ich das Teil gefunden und zurückgebracht.

Aufgabe 2: Check.

 

Und weiter in Richtung der Übung von Toni Kempf. Aber erstmal habe ich in der Wartezone Zeit um ein kleines Bubu zu machen, die bisherigen Apporte waren doch anstrengender als Gedacht.

Bei weiteren Gesprächen unter Gleichgesinnten vergeht auch hier wieder die Zeit wie im Fluge und eh´ ich mich versehe stehe ich vor Toni Kempf.

Ich bin zwar im wahrsten Sinne des Wortes hundemüde, trotzdem lausche ich gebannt seinen Worten.

Der erste Teil findet nochmal zu zweit statt, also sitzt der Goldene Kollege wieder neben mir. Dabei stellt Toni uns frei, aufgrund der verschärften Bedingungen am Rande der Ameisenautobahn, beim Warten angeleint zu bleiben. Unsere beiden Führer schauen sich kurz an und entscheiden, dass der sportliche Ehrgeiz höher als die Angst vor einer weiteren „0“ ist und leinen uns nicht an.

So, jetzt soll der erste Hund (in dem Fall der Golden) frei bei Fuß ca. 10m vor ein Grün geführt und da abgesetzt werden. Dann soll der Führer ohne Hund zurückkehren und sich wieder an die Ausgangsposition begeben. Anschließend wirft Toni 4 Dummies nacheinander über den Hund, der ruhig sitzenbleiben soll. Wenn das so geklappt hat, wird der von Herrchen zurückgerufen und anschließend darf der zweite Hund zwei der vier Dummies holen, natürlich ohne zu tauschen.

Während also der Kollege vor dem Grün sitzt und die Dummies fliegen gucke ich wie gebannt und präge mir die Fallstellen ein. Nachdem Goldie dann zurück ist darf ich endlich los und hole schnell die zwei geforderten Dummies. Dann wechselt das Spielchen und ich werde vor das Grün geführt. Höflicherweise gucke ich dezent nach den fliegenden Teilen, erachte es aber nicht als nötig, mich dazu groß zu verrenken. Als Herrchen ruft, renne ich direkt zu ihm und setzte mich neben ihn, allzu lange sollte man den ja nicht allein im Wald lassen. Dann drücke ich dem Kollegen für seinen Teil der Aufgabe die Daumen.

Der zweite Part findet dann nochmal allein statt.

Ich soll Herrchen jetzt ca. 10m geradeaus und dann nach einer 90° Rechtsdrehung nochmal 10m bis an den Rand einer Senke frei bei Fuß führen. Anschließend fällt ein Schuss und zwei Dummies fliegen. Das erste soll ich direkt von der Markierörtlichkeit holen, das zweite erst, wenn wir, auf welchem Weg auch immer, wieder an der Startörtlichkeit angelangt sind. Natürlich alles ohne zu tauschen.

Retrieve Nummer 1 läuft für mich richtig gut und die Fallstelle von Dummy Nummer 2 kann ich mir auch gut merken, so dass ich mehr oder weniger gradlinig direkt dorthin laufe und das Teil hole.

Nach der Abgabe ist der offizielle Teil der Veranstaltung für mich beendet und weil er es ja dann doch noch ganz ordentlich gemacht hat, spiele ich anschließend eine Runde mit Herrchen und unserem Lieblingsspielzeug. Irgendwie war der so richtig froh mit mir…

 

Dann gehen wir hoch in Richtung Suchenlokal und ich bekomme meine wohlverdiente Pause während Herrchen jegliche Selbstbeherrschung verliert und über die von den Hundefreunden Höchen dargebotenen Köstlichkeiten herfällt.

Dann kommt die Siegerehrung der einzelnen Klassen und wir können dem ein oder anderen Trainingspartner zur Platzierung gratulieren. Das habt ihr richtig gut gemacht!

 

Da der Typ am anderen Ende meiner Leine ja in Aufgabe zwei die „0“ verbockt hat ist bereits vor der Siegerehrung klar, dass wir nicht unter den Platzierten sind. Umso größer ist die Freude als wir auf einmal aufgerufen werden, weil wir die Judges Choice gewonnen haben. Damit hätte ich ja im Leben nicht gerechnet und Herrchen wohl auch nicht, bekommt er doch sein stolze Grinsen für das Wochenende nicht mehr aus dem Gesicht und erzählt jedem, der es hören oder nicht hören will, von meinen Leistungen.

Und ich muss zugeben: es hat wirklich Spaß und Lust auf mehr gemacht – bis zur Newcomer Trophy hab´ ich ja noch Zeit, die Pfeife da zu trainieren… 😉

 

Bedanken möchte ich mich bei allen Helfern, die so ein Event erst möglich machen, bei den Richtern, die interessante anspruchsvolle Aufgaben gestellt und jedem Hund alle Möglichkeiten gegeben haben, sein Können unter Beweis zu stellen und dem Orga-Team für die Organisation der rundum gelungenen Veranstaltung.

Außerdem sei auch den Hundefreunden Höchen für die Bereitstellung ihres Vereinsgeländes und die Verköstigung mit herrlichem Schwenkbraten und leckeren Würstchen gedankt.

Und last but not least auch ein großes Dankeschön dem örtlichen Jagdpächter, der sein Revier zu Verfügung gestellt hat!

Man sieht sich!

Ihiliens Orithil (June)

 

Written by Michèle Waßmuth

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